Erfahrung seit 1983
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt (von den Privatkassen als
gemischte Krankenanstalt) und auch beihilfefähig.
POSTZOSTERNEURALGIE
Die Bezeichnung "Postzosterneuralgie" entspricht nicht mehr der neusten medizinischen Terminologie. Übereinstimmend wird diese Krankheit jetzt als "postzosterische Neuralgie" bezeichnet.
Weitere (nicht mehr zeitgerechte) Synonyme (= wie die Krankheit sonst noch bezeichnet wird) sind: postherpetische Neuralgie, Zoster-Neuralgie, Her pes zoster-Neuralgie.
In welchen Körperbereichen tritt diese Schmerzerkrankung auf?
Der Herpes zoster befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren Brust wir belsäule, seltener den Gesichtsbereich (Gesichtsrose) bzw. Kopfbereich (Kopfrose) (Zoster ophthalmicus, Zoster oticus).
Her pes zoster ist eine neurodermale (= Ner ven und Haut betreffende) Infektionskrankheit. Der Erreger ist der Her pes-Varizellen-Virus. Als Tröpfcheninfektion führt der Erstkontakt vorwiegend bei Kindern zu den bekannten Windpocken, an sich eine harmlose Kinderkrankheit. Leider hat das Virus die Eigenschaft, über Jahrzehnte in bestimmten Bereichen des Nerven systems zu überleben, ohne daß Krankheitszeichen vorhanden sind. Kommt es aber zu einer Schwächung des Immunsystems, so wird das Virus reaktiviert und erreicht über sensible Nerven bahnen die Haut und es entsteht der Herpes zoster.
Die Her pes zos ter -Erkrankung beginnt mit brennenden, juckenden Schmerzen im Bereich der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindung) einher. Schon die Berührung der Haut im befallenen Bereich verursacht starke Schmerzen (eine sog. Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwinden dann auch die Nervenschmerzen wieder.Wenn der Nervenschmerz die Hauterscheinungen des Her pes zos ter überdauert, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in eine Postzosterneuralgie übergegangen.
Zehn Prozent aller Patienten mit
Herpes zoster-Erkrankung entwickeln eine Postzosterneuralgie
(Loeser
1986). Begünstigend sind Intensität und Ausmaß der akuten
Zoster-Erkrankung,
Diabetes mellitus (= Zuckerkrankheit),
Lokalisation des Zosters ((häufiger nach
Zoster
ophthalmicus
(=
Stirn, evtl. mit Augenbeteiligung))
und vor allem das Alter der Patienten.
Die Inzidenz
(= Anzahl neuer Erkrankungsfälle)
an Postzosterneuralgie beträgt 20-60 Prozent bei den
über 60jährigen (Struppler 1988).
Der Schmerzcharakter bei der Postzosterneuralgie wird von den Patienten uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder brennend, blitzartig einschießend, stechend und brennend. Fast regelmäßig besteht im Schmerzbereich eine Sensibilitätsstörung (= Störung des körperlichen Empfindens), so in Form einer Hyperpathie (= Sensibilitätsstörung als Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen) oder auch Hyperalgesie (= herabgesetzte Schmerzschwelle) bis hin zu einer Allodynie (= schon die Berüh rung der Haut im befallenen Bereich führt zu Schmerzen).
Die Behandlung der akuten Zoster-Erkrankung wird ausführlich in der Datei www.guertelrose-schmerztherapie.de beschrieben.
Behandlung der Postzosterneuralgie:
Beim
Entstehungsmechanismus der Postzosterneuralgie spielen sowohl zentrale (= im Rückenmark)
als auch periphere
Nervenläsionen eine Rolle. Dementsprechend werden
verschiedene Therapiemaßnahmen, die zentral oder/und peripher angreifen,
unterschiedlich erfolgreich sein (Hefermann und
Lees
er 1992,
Schmerzthera
piezentrum Bad Mergen
theim).
Die
Therapie ist äußerst und setzt große
Erfahrung voraus. Dabei ist häufig eine gezielte "Polypragmasie"
(= Durchführung mehrerer Maßnahmen gleichzeitig)
erforderlich. Die Patienten betreiben zum Teil einen
Schmerzmittelmissbrauch oder
sind gar bereits abhängig, so daß vorrangig eine
Entzugsbehandlung erforderlich
ist. Infolge des chronischen Schmerzes entwickeln sich öfters psychische
Veränderungen, so daß auch
psychotherapeutische Interventionen notwendig werden.
Eine systemische medikamentöse Therapie mit
Analgetika (=
Schmerzmittel) nach dem WHO
(= Weltgesundheitsorganisation)
-Stufenschema sollte zumindest ab Stufe 3 (z.B. Gabe von Morphin) erst dann
eingesetzt werden, wenn die Therapie mit Psychopharmaka, Antiepileptika
(= Mittel gegen das Anfallsleiden, u.a. auch bei
Postzosterneuralgie
wirksam) und
nichtmedikamentösen Verfahren, sowie perkutaner
(= durch die Haut hindurch)
Medikamentenanwendung ausgeschöpft wurde.
Antidepressiva (z.B. Doxepin,
Maprotilin) (= Mittel gegen Depression),
evtl. auch in Kombination mit
Neuroleptika
(z.B. Levomepromazin)
(= Mittel zur psychischen Behandlung, aber auch gegen
Schmerzen wirksam),
verschaffen Patienten mit Postzosterneuralgie häufig
Linderung. Wir bevorzugen Amitriptylin in einer Tagesdosis von bis zu 75 mg, da
es in Kombination mit Analgetika, Antiepileptika und oder Neuroleptika stärker
wirksam ist.
Gegen die
Nervenschmerzen bei der Postzosterneuralgie wirken am besten sog. Antiepileptika
(= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei der
Postzosterneuralgie hilfreich). Als erste Wahl gelten heute Gabapentin oder Pregabalin,
als 2. Wahl Carbamazepin.
(Hinweis: Neurontin® ist bezüglich der Off Label-Bestimmungen
zur Behandlung der Postzosterneuralgie
zugelassen und damit rezeptierfähig).
Zur Wirkstoffeinsparung und damit Reduzierung der
Nebenwirkungen kann Gabapentin oder Pregabalin bzw. Carbamazepin mit Baclofen
(= ein Mittel zur Muskelentspannung) kombiniert
werden. Manchmal ist auch die Verordnung von Keltican®
(= ein Mittel, das z.T.
Nervenschäden reparieren kann)
hilfreich.
Zur perkutanen (= durch
die Haut hindurch) medikamentösen Therapie
der Postzosterneuralgie eignet sich Acetylsalicylsaeure
(= bekannt als Aspirin®),
wobei allerdings durch ASS eine Ablösung der Hornschicht der Haut und bei Lösung
in Chloroform dessen Leber- und
Nieren
giftigkeit zu beachten ist (Zenz
1994).
Capsaicin, Inhaltsstoff des spanischen Pfeffers, als Creme (0,025-0,075%)
verabreicht, kann ebenfalls
schmerz
lindernd wirken. Allerdings tolerieren einige
Patienten nicht die mit der Anwendung verbundenen Hautreizungen und
vorübergehende Schmerzverstärkung.
Auch eine Iontophorese
(= Verabreichung von Wirkstoffen durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom)
mit Vincristin, ist zur Behandlung der Postzosterneuralgie geeignet, wenn die
Herpes-zoster-Eerkrankung nicht länger als 6 Monate zurückliegt (Layman
1986).
Es gibt auch ein sog.
Schmerzpflaster, das mit einem
Lokalanästhetikum getränkt ist. Das
postkartengroße, selbstklebende Hydrogelpflaster (Versatis®) enthält Lidocain
und wird auf die sch merzende Stelle geklebt. Bis zu drei Pflaster dürfen
gleichzeitig appliziert werden, auch das Zuschneiden auf eine passende Größe ist
möglich. In den USA ist das Pflaster bereits seit 1999 auf dem Markt, nach
europäischen Zulassungsstudien nun auch in Deutschland, und zwar mit der
Indikation neuropathischer
Schmerz nach
Her
pes zos
ter (Postzosterische
Neuralgie).
In der medizinischen Literatur wird die Ansicht vertreten, daß die Erfolgsrate der
therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei Postzosterneuralgie
abhängig von dem Zeitpunkt des Beginnes der
Schmerztherapie nach Ausbruch der Zos ter-Erk rankung sei. Nach sechs Wochen (Hempel
1993) beziehungsweise 3 Monate (Zenz 1994) sei die Postzosterneuralgie in den meisten Fällen durch
Nervenblockade
n
(= Ner venbetäubungen)
nicht mehr günstig zu beeinflussen. Auch Loeser (1986) räumt der
therapeutischen Lokalanästhesie bei Patienten mit älterer Postzosterneuralgie kaum noch Nutzen ein.
Dem widersprechen aber zum Teil die
Erfahrungen anderer Autoren. Auch Hefermann und
Lees
er (1992,
Schmerzthera
piezentrum Bad Mergen
theim) berichten über gute Erfolge mit
Ner venblockaden, sofern diese konsequent durchgeführt werden. Folgendes
Vorgehen hat sich bewährt: Nach einer positiven, schmerzlindernden Testblockade
wird eine Serie von
Nervenblockade
n mit einem lang wirksamen örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain in einer Konzentration von 0,25%)
durchgeführt, wobei anzustreben ist, die Folgeblockade immer dann anzusetzen,
wenn die vorhergegangene eben abgeklungen ist. Dazu bieten sich kontinuierliche
Verfahren mittels Kathetertechnik (=
Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Nerv)
an.
Viele Autoren betonen bei der Postzosterneuralgie die Effektivität von Blockaden des Sympathikus (= sog. autonomes, selbständiges Nervensystem) (z.B. Auberger 1990, Hempel 1993).
Topische (= eine örtliche, oberflächlich wirkende) Lokalanästhesie der betroffenen Hautareale, zum Beispiel mit Lidocain-Spray oder Lidocain-Prilocain Creme (EMLA®), wird bei Postzosterneuralgie von verschiedenen Autoren eingesetzt (Milligan 1989). Bei abnehmender Wirkung im Behandlungsverlauf ist an eine Tachyphylaxie (= Wirkungsabschwächung bei wiederholter Anwendung) zu denken. Zudem können bei lokaler Anwendung zusammen mit Ner venblockaden toxische (= giftige) Lokalanästhetikakonzentrationen erreicht werden.
Weitere Therapiemaßnahmen bei Postzosterneuralgie
Hier gelangen Sie zu weiteren Dateien, in denen eine Postzosterneuralgie beschrieben wird:
Zoster Nervus oticus, Zoster Nervus ophthalmicus, Zoster im Gesicht, Zoster am Kopf
Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf der Web-Seite http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st mit, dass alle gesetzlich Krankenversicherte mittlerweile einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre REHA-Klink sogar selbst aussuchen dürfen.
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
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Aktualisiert: >10.02.2008</>kusb&
S
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